Zahlreiche gescheiterte Initiativen im Bereich Wissensmanagement zeigen, dass die Transformation von erfolgreichen Konzepten, Methoden und Instrumenten von der Organisation X in die Organisation Y kein trivialer Prozess bzw. in manchen Fällen einfach unmöglich ist. Die Begründung für diese Tatsache liegt auf der Hand. Keine Organisation gleicht der anderen.
Der Wissensmanager will Antworten auf die Fragen finden, warum gerade dieses Konzept in genau dieser Organisation funktioniert oder warum jene Methode in jener Organisation nicht funktioniert. Etwas Licht ins Dunkel bringt hierbei das Konzept Spiral Dynamics.

Spiral Dynamicsist ein Modell mit hohem Erklärungs- und Vorhersagewert und beschreibt die menschliche Entwicklung in 8 aufeinander aufbauenden Stufen (Meme):

  • Überleben (Neugeborenes)
  • Stamm (symbiotische Phase, ungetrennt von der Mutter)
  • Macht (Trotzphase, “Ich will, was ich will”)
  • Ordnung (Regel/Rolle)
  • Leistung (Pubertät)
  • Gemeinschaft (bindungsfähiger Erwachsener)
  • Integration (Reife jenseits von Kämpfen)
  • Ganzheit (Weise)

Wendet man dieses Modell durch die Wissensbrille blickend auf Organisationen an, so kann es aufschlussreiche Erklärungen für das Funktionieren bzw. Nicht-Funktionieren bestimmter Konzepte, Methoden und Instrumente liefern. Die Meme unter dem Aspekt Wissen:

  • Wissen ist Instinkt
  • Wissen ist Magie
  • Wissen ist Macht – Königreiche und Fürstentümer sind geprägt von ausbeuterischen und machterhaltenden Prozessen. Es steht im Vordergrund sich einen Rang zu erkämpfen und diesen zu verteidigen. Wissen dient als Machtmittel zur Stärkung der individuellen Position.Wissen schafft Ordnung – Organisationen mit ausgeprägtem Ordnungsgedanken weisen meist hierarchische, pyramidenartige Organisationsstrukturen auf. Die Integration eines umfassenden Dokumenten-Management-Systems gepaart mit strickten Regeln erscheint beispielsweise im öffentlichen Dienst vielversprechend.
  • Wissen ist Leistung – In dieser Phase der organisationalen Entwicklung dominiert der Wettbewerbsgedanke. Wissen ist Nutzen und Status. Hier sind beispielsweise Tools zur Leistungssteigerung bei der Wissensarbeit sehr willkommen.
  • Geteiltes Wissen schafft Gemeinschaft – Hierarchische Strukturen haben sich in dieser Phase bereits völlig aufgelöst. Die emotionale Komponente drängt sich immer stärker in den Vordergrund. Prozesse sind erfahrungs- und konsensorientiert. Beispiele sind hier bereits weit entwickelte projektorientierte Organisationen. Gruppendynamische Methoden, wie Lessons-Learned-Workshops, können hier auf fruchtbaren Boden stoßen.
  • Wissen ist Integration – Wissen und Kompetenz zählen mehr, als Macht, Status und Gruppenempfindlichkeit.
  • Wissen ist Ganzheit

Die Zuordnung von Organisation zu oben beschriebenen Entwicklungsphasen erfordert viel Erfahrung im Bereich der Organisationsentwicklung. Meist gelingt eine Zuordnung erst nach genauer Kenntnis des bisherigen Weges einer Organisation. Die Anwendung dieses Modells verringert mit Sicherheit das Risiko für das Misslingen von Wissensmanagement-Initiativen und stellt somit einen hohen Wert dar. Ich selbst habe in der täglichen Arbeit  bereits gute Erfahrungen damit gemacht. Dieses Modell eröffnet eine vollkommen neue Sichtweise.

Literatur: Beck, Don Edward; Cowan, Chris: Spiral Dynamics, Blackwell Business, Cambridge 1996