Forschung an der Schnittstelle zwischen Prozess- und Wissensmanagement verspricht vor allem die Ausrichtung von Wissensmanagementaktivitäten an den wertschöpfenden Aktivtäten in Organisationen. Die wissenschaftliche Disziplin “Geschäftsprozess-orientiertes Wissensmanagement (gpoWM)” nimmt sich dieser Herausforderung an und stellt eine Reihe von Anwendungen vor. Dieser Beitrag gibt eine Übersicht über diese Anwendungen und verweist auf weiterführende Literatur.

Anwendungen im gpoWM zielen darauf ab, die in der Praxis existierenden Synergien zwischen Instrumenten des Prozess- und Wissensmanagements gewinnbringend zu nützen. Eine Grundlage dafür stellt die wissensorientierte Analyse von Geschäftsprozessen dar.

Wissensorientierte Geschäftsprozess Analyse ist auf die Identifikation von vorhandenen Wissensaktivitäten in Geschäftsprozessen fokussiert. Dies beinhaltet z.B. die Generierung, die Speicherung, den Transfer und die Anwendung von Wissen in Prozessen (Abbildung 1).

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Abbildung 1: Wissensorientierte Geschäftsprozess Analyse

Aufbauend auf wissensorientierten Analysen konzentrieren sich die Anwendungen im gpoWM auf eine oder mehrere der fünf nachfolgenden Teilgebieten (siehe Abbildung 2):

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Abbildung 2: Anwendungen im gpoWM

Wissensorientierte Geschäftsprozessmodellierung im gpoWM zielt auf die explizite Integration der Wissensperspektive in die Geschäftsprozessmodelle ab. Dadurch wird nicht nur das in den Geschäftsprozessen verarbeitete Wissen dokumentiert, sondern auch konkrete Zusammenhänge zwischen Rollen, Geschäftsprozessen und Wissensgebieten transparent. In der Praxis werden diese Ergebnisse z. B. für Standardisierungsmaßnahmen oder als Grundlage für nachfolgende Anwendungen im gpoWM genutzt.

Wissensorientiertes Geschäftsprozess Lernen verwendet Instrumente des Wissensmanagements für die Personalentwicklung. Dabei wird Wissensarbeitern lernintensives Wissen über oder Wissen in Geschäftsprozessen didaktisch aufbereitet zur Verfügung gestellt. In der Praxis werden derartige Ansätze zur Prozesskommunikation oder zur Gestaltung von Weiterbildungen bzw. Trainings in Geschäftsprozessen angewandt.

Wissensorientierte Geschäftsprozess Unterstützung bezweckt die Gestaltung von technologischen und organisatorischen Rahmenbedingungen für Geschäftsprozesse. Ziel ist eine Unterstützung für die Durchführung von Geschäftsprozessen. Abgeleitet von wissensorientiert-gestalteten Prozessmodellen werden Maßnahmen für die optimale Verteilung von Wissen erarbeitet. In der Praxis inkludiert dies technologische Maßnahmen wie z. B. geschäftsprozess-orientierte Wissensportale oder -systeme und humanorientierte Maßnahmen wie z. B. Prozess-Communities oder Qualitätszirkel.

Wissensorientierte Geschäftsprozess Ausführung nutzt formal-definierte Geschäftsprozesse in Workflow Management Systemen zur computer-gestützten Datenversorgung von Wissensarbeitern. In der Praxis bedeutet dies die kombinierte Anwendung von Workflowsystemen und fortgeschrittenen Suchagenten-, Datenverarbeitungs- und Wissensmanagementtechnologien zur Unterstützung von Mitarbeitern.

Wissensorientierte Geschäftsprozess Verbesserung verwendet Instrumente aus dem Wissensmanagement zur Verbesserung von Geschäftsprozessen. Die Analyse von Wissensflüssen zwischen Geschäftsprozessen oder von sozialen Netzwerken gibt aufschlussreiche Hinweise für Prozessverbesserungen aus der Wissensperspektive. In der Praxis kommen derartige Ansätze vor allem in wissensorientierten Restrukturierungsprojekten zum Einsatz.

Nähere Details zu Anwendungen im gpoWM inkl. aktueller Ansätze und Literaturreferenzen finden Sie in der Dissertation B-KIDE.

Dieser Beitrag stammt aus dem Praxishandbuch 3 (PHB3) des Wissenmanagement Forums Graz. Das Praxishandbuch stellt ausgewählte Themen aus dem Bereich Wissensmanagement praxisnahe und wissenschaftlich fundiert vor. Print-Exemplare mit einer Vielzahl weiterer Beiträge sind über die PHB3-Website zu beziehen.