Wenn von Wissensmanagement die Rede ist, sind meist Aktivitäten auf organisationaler Ebene gemeint. Übersehen wird dabei oft, dass der Umgang mit der Ressource Wissen in der Organisation beim Individuum beginnt und auch endet. Individuelles Wissensmanagement ist daher eine der Voraussetzungen für organisationsweites Wissensmanagement. Im Folgenden soll eine Übersicht über diesen Themenkomplex erarbeitet werden.

Analog zu einem weiten Verständnis des organisationalen Wissensmanagements kann auch individuelles Wissensmanagement als Management der Rahmenbedingungen verstanden werden, die einen effizienten Umgang mit handlungsrelevantem Wissen ermöglichen. Dies scheint angesichts des von vielen Menschen erlebten Gefühls der Ohnmacht vor allzu großer Informationsflut (information overload) und fehlender Strategien zum gezielten Aufbau der eigenen Wissensbasis wünschenswert.

Konkret können darunter u.a. folgende Maßnahmen verstanden werden, die jeweils bestimmte Aspekte des Wissensmanagement-Regelkreises (Wissensgenerierung, Wissensrepräsentation, Wissensdistribution, Wissensanwendung) unterstützen:

  • Strategien

Der erste Schritt besteht in der Durchführung einer Zielanalyse, die stets schriftlich erfolgen sollte, um auf diese Weise leichter die Evaluation einzelner Maßnahmen durchführen zu können. Abhängig von den jeweils persönlich definierten Zielen, ist eine Strategie im Umgang mit dem eigenen Wissen notwendig. Daraus ergibt sich die Auswahl an geeigneten Werkzeugen, die u.a. Antworten auf folgende Fragen ermöglichen sollen: Woher weiß ich, was ich alles weiß? Wie kann ich mein Wissen zielgerecht aufbauen? Wie kann ich mein Wissen sinnvoll verknüpfen?

  • Repräsentations- und Arbeitstechniken

Es ist gemäß dieser Reihe zumeist sinnvoll, sich einen klaren Überblick über die eigenen Kompetenzen zu verschaffen. Die oft unklare, mentale Repräsentation des eigenen Wissens kann durch Mind Maps unterstützt werden, die eine gehirngerechte Visualisierung von kognitiven Inhalten ermöglichen. Ähnlich aufgebaut sind Kompetenzportfolios, die eine adäquate Darstellung der eigenen Kompetenzen und Fähigkeiten gestatten. Darunter fallen auch alle Methoden, die effiziente Wissensarbeit erleichtern, etwa Zeitmanagement, Lesetechniken (Schnelllesen), Stressmanagement und Kreativitätstechniken (z.B. Brain Storming).

  • Recherchetechniken

Zur Wissensgenerierung ist eine effiziente Technik der Recherche notwendig. Hier geht es angesichts der Flut an online angebotenen Suchinstrumenten um Auswahl von geeigneten Datenbanken, gezielte Suchstrategien und Evaluierung von angebotener Information. Grundsätzlich ist auch zu klären, ob in der jeweiligen Situation nicht ein personaler Wissensträger effizienter Auskunft geben kann.

  • Archivierung

Einen wesentlichen Faktor, der durch die Vermehrung von Möglichkeiten der Datenspeicherung auf Festplatten zunehmend relevant wird, bildet ein Konzept zur Kategorisierung von Ordnerstrukturen einschließlich der Dateinamenvergabe, die ein Wiederfinden von abgelegten Informationen ermöglicht. Derzeit befinden sich Tools in Entwicklung (z.B. Google Desktop Search, MSN Search), die diese Suche durch intelligente Technologien wesentlich erleichtern.

  • IT-Tools

Die Werkzeuge, die durch Neue Medien bereitgestellt werden, sind ein unverzichtbarer Bestandteil eines effizienten Wissensmanagements. Obwohl Technologie alleine sicherlich noch keine Garantie für den sinnvollen Umgang mit Wissen darstellt, wird doch erst dadurch eine effiziente Bearbeitung v.a. im Bereich der Wissensrepräsentation und Wissensdistribution ermöglicht. Zu nennen sind in diesem Zusammenhang v.a. Groupware (z.B. Lotus Notes, Hyperwave u.a.), Wikis und Web-Foren, die kollaborative Wissensarbeit ermöglichen.
Das computergestützte Lernen – E-Learning – hat viele der hochgesteckten Erwartungen nicht erfüllt, da vernachlässigt wurde, dass ein hohes Maß an Selbstdisziplin und Selbstmotivation für ein wirksames selbstreguliertes Lernen Voraussetzung ist. Dennoch ist diese Form des Wissensaufbaus für das individuelle Wissensmanagement von großer Bedeutung, da auf diese Weise ein zeitlich, lokal und inhaltlich selbstgesteuerter Wissensaufbau ermöglicht wird.

Eine auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmte Kombination dieser Maßnahmen sollte einen effizienten Umgang mit der persönlichen Ressource Wissen ermöglichen und dabei helfen, die Qualität von Entscheidungen zu heben. Nähere Angaben zur Durchführung der genannten Wissensmanagement-Maßnahmen finden sich in u.a. Quellen.

Links:

http://beat.doebe.li/bibliothek/b02038.html (Infos zu Individuellem Wissensmanagement)
http://www.artm-friends.at/am/km/WM-Methoden/ (Übersicht WM-Methoden)
http://www.pctipp.ch/downloads/dl/28562.asp (freie Mind Mapping-Software)
http://search.msn.de/ (MSN Desktop Search)
http://desktop.google.com/ (Google Desktop Search)

Literatur:

Probst, Gilbert J.B.; Eppler, Martin J.: Persönliches Wissensmanagement, in: zfo 3/1998.
Reinmann-Rothmeier, Gabi: Individuelles Wissensmanagement, 2000.
Sindler, Alexandra: Etablierung einer neuen Lernkultur. Modelle medienbasierter Lernarrangements zur Förderung selbstregulierten Lernens im Kontext der Organisation. 2004.