Da kompetentes Handeln zweifelsohne die Grundlage einer adäquaten Auseinandersetzung mit zukünftigen wirtschaftlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Aufgaben sein kann (nachzulesen im Artikel Kompetenzentwicklung Teil 1 – Ein Schlüssel zur Bewältigung zukünftiger Aufgaben?), interessieren folgend vor allem die Bedingungen einer systematischen Kompetenzentwicklung.

Kompetenzen sind Verhaltensdispositionen, d.h. Voraussetzungen für adäquates Problemhandeln. Kompetenzvermittlung kann daher nicht genauso wie Qualifikationsvermittlung erfolgen. Weil der Inhalt kompetenten Handelns je nach Anforderungssituation variiert, kann er nur wage inhaltlich festgeschrieben werden und noch viel weniger in “Portionen” vermittelt werden. Tobias Ley (Was sind Kompetenzen? Und wie erwirbt man sie? vom 18.05.2004) verweist darauf, dass Kompetenzerwerb über eine Konfrontation der Lernenden mit spezifischen Anforderungssituationen erfolgt. Fraglich bleibt, ob konkretes Handeln allein einen systematischen Kompetenzerwerb ermöglicht. Wenngleich die konkrete Erfahrung ein zentrales Element von Kompetenzlernen darstellt, kann sie kaum als Garant dafür herangezogen werden. Heißt in einem Team zu arbeiten auch dialogfähig, kooperationsfähig und teamfähig zu sein oder es jemals zu werden? Viele Beispiele aus der Praxis weisen wahrscheinlich in eine andere Richtung. Tobias Ley stellt in Aussicht, dass Lernende einer effektiven Begleitung und Unterstützung im Kompetenzlernprozess bedürfen. Dieser Gedanke soll hier aufgegriffen und fortgeführt werden.

Für das Kompetenzlernen spielen vor allem individuumsbezogene Aspekte eine Rolle (North, 2003, S. 205). Zur Präzisierung dieses Gedankens wird ein Perspektivenwechsel vorgeschlagen. Dieser besteht darin, dass weniger nach Möglichkeiten der Vermittlung von Kompetenzen gefragt wird. Fokussiert wird vielmehr der Aneignungsprozess des Individuums. Es interessiert, unter welchen Voraussetzungen den aneignenden Subjekten ein Kompetenzaufbau gelingt. Zentral für einen aktiven Kompetenzerwerb ist eine reflexive Auseinandersetzung des Individuums mit den bereits vorhandenen Kompetenzen, dem eigenen Kompetenzerwerb und den individuellen Zielvorstellungen in Bezug auf Kompetenzentwicklung (siehe dazu verschiedene Artikel vom Ring Österreichischer Bildungswerke). Die bewusste Gestaltung einer persönlichen Kompetenzbiographie bedarf der Einbettung des Individuums in eine kompetenzorientierte Lernkultur, welche im Zeichen einer Ressourcenorientierung steht (verschiedene Artikel dazu von der Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Weiterbildungsforschung). Unter Lernkultur wird hier eine Gemeinschaft Lernender verstanden, die sich aktiv in wertschätzender Bezugnahme aufeinander um ihren persönlichen Kompetenzerwerb bemühen. Ressourcenorientierung meint das Erkennen und die aktive Nutzung der eigenen Ressourcen und der Ressourcen der Umgebung zum Zwecke des Kompetenzlernens. Ein Instrument, das eine reflexive Bezugnahme auf individuelle Kompetenzpotentiale ermöglicht und das Entstehen einer kompetenzorientierten Lernkultur fördert, ist beispielsweise das Kompetenzportfolio (Artikel dazu vom Ring Österreichischer Bildungswerke).

Im Rahmen meines Bakkalaureatsstudiums Pädagogik an der Karl-Franzens-Universität Graz habe ich mit Unterstützung einer ausgebildeten Kompetenzportfoliobegleiterin (siehe dazu Akademie Neue Medien & Wissenstransfer) mein persönliches Kompetenzportfolio erstellt. Die kontinuierliche Arbeit an meinem Portfolio ist für mich die Basis für die systematische Weiterentwicklung meiner Kompetenzen und Herausforderung für die aktive Gestaltung meiner persönlichen Kompetenzbiographie.

Literatur:

North, K. (2003). Das Kompetenzrad. In J. Erpenbeck & L. von Rosenstiel (Hrsg.), Handbuch Kompetenzmessung. Erkennen, verstehen und bewerten von Kompetenzen in der betrieblichen, pädagogischen und psychologischen Praxis (S. 200-211). Stuttgart: Schäffer-Poeschel.